Winterbeobachtung

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Am Diens­tag, dem 13. Febru­ar 2018, nutz­te ich das her­vor­ra­gen­de Wet­ter für eine Beob­ach­tung des Win­ter­him­mels an mei­nem Stand­ort in Radens­dorf. Wenigs­tens waren da die Tem­pe­ra­tu­ren in jener Nacht noch erträg­li­cher als momen­tan, wo des Näch­tens deut­lich zwei­stel­li­gen Minus­gra­de gemes­sen wur­den. Da über­legt man es sich zwei­mal, ob man mit der Aus­rüs­tung raus fährt. Vor jetzt genau 14 Tagen war es jeden­falls wie­der, nach­dem ich seit Ende Sep­tem­ber nicht mehr beob­ach­tet hat­te. Ent­we­der hat­te ich kei­ne Zeit, oder das schlech­te Wet­ter ver­hin­der­te die Aus­füh­rung des liebs­ten Hobbys.

Das Schwert­ge­hän­ge im Stern­bild Ori­on – Canon EOS 1000Da, Canon EF 200 mm f/2.8L, F/4, ISO-800, 44x2.5 Min

Kurz nach 18 Uhr fuhr ich gut ein­ge­packt und mit einer Ther­mos­fla­sche mit hei­ßem Tee baff­net raus zu mei­nem Beob­ach­tungs­latz. Für den Auf­bau der Foto­aus­rüs­tung benö­tig­te ich fast ein Stun­de, da ich wohl etwas aus der Übung war und Schwie­rig­kei­ten hat­te, die Astro­Trac sowie die StarA­dven­tu­rer ein­zu­n­or­den. Im letz­ten Jahr hat­te ich näm­lich nur ein Mal die Gele­gen­heit, mei­ne Foto­aus­rüs­tung aus­zu­pa­cken. Wäh­rend es Auf­baus mei­ner Aus­rüs­tung hör­te ich aus dem nur 200 Meter ent­fern­ten Wald­lich­tung Wolfs­ge­heul. Eini­ge Minu­ten spä­ter schreck­ten mich Geräu­sche hin­ter mei­nem Rücken auf dem Feld mich kurz auf. Und tat­säch­lich waren wohl eini­ge der Wöl­fe zu mir unter­wegs. Des­halb mach­te ich mich laut­stark bemerk­bar, so dass die Tie­re glück­li­cher­wei­se die Flucht ergriffen.

Him­mels­re­gi­on mit den Ple­ja­den & Hya­den im Stern­bild Stier – Canon EOS 600D, Canon EF 50 mm f/1.8, F/4, ISO-800, 13x6 Min

Nach dem Auf­bau belich­te­te ich mit der Canon EOS 1000D und dem Canon EF 200 mm f/2.8L Objek­tiv in Rich­tung des Stern­bilds Ori­on und mit der 600D und mit dem EF 50 mm f/1.8 Canon-Objek­tiv in Rich­tung des Stern­bilds Stier. Die Zie­le waren zum einen das Schwert­ge­hän­ge im Ori­on sowie die die Him­mels­re­gi­on um die Stern­hau­fen Hya­den und Ple­ja­den. Um mir die Zeit zu ver­trei­ben, beob­ach­te ich eini­ge High­lights des Win­ter­him­mels mit dem schon bereit ste­hen­den 8 Zoll Dob­son. Der Nach­teil, jeden­falls bei mei­nem Tele­skop ist, dass sich bei grö­ße­ren Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen (Som­mer zu Win­ter) die Kol­li­ma­ti­on des Tele­skops ver­stellt. So muss­te ich kurz am Fang­spie­gel des New­tons etwas Hand anle­gen. Neben dem Ori­on­ne­bel, Mes­sier 42/43, nahm ich vor allem eini­ge Stern­hau­fen des Win­ter­him­mels und zwei Gala­xien aufs Korn. Vor allem beob­ach­te­te ich die­je­ni­gen Offe­nen Stern­hau­fen, die in den Vor­mo­na­ten als Objekt des Monats auf mei­ner Web­sei­te vor­ge­stellt wur­den. Außer­dem waren unter den Stern­hau­fen gleich vier neue Objek­te, die ich zum 1. Mal beob­ach­ten konn­te. Neben­bei unter­nahm ich auch einen Ver­such, den Kome­ten C/2016 R2 (Pan­starrs) auf­zu­su­chen, der sich laut Auf­such­kar­te nord­öst­lich der Ple­ja­den auf­hal­ten soll­te. Lei­der war die Sich­tung des Kome­ten unsi­cher, da ich an der Stel­le nur zeit­wei­se einen klei­nen Licht­fleck wahr­neh­men konn­te. So könn­te die Sich­tung auch Ein­bil­dung gewe­sen sein. Auf dem fer­tig ent­wi­ckel­ten Foto der Ple­ja­den und Hya­den im Stier, war der Komet jeden­falls als schwa­che Auf­hel­lung mit einem Schweif erkenn­bar. Aller­dings zeig­te sich der Komet deut­lich licht­schwä­cher als die ein­zel­nen Nebel in den Plejaden.

Weit­feld­auf­nah­me des Stern­bilds Ein­horn – Canon EOS 600D, Canon EF 50 mm f/1.8, F/4, ISO-800, 12x6 Min

Die Beob­ach­tungs­be­din­gun­gen waren in die­ser Nacht über­durch­schnitt­lich gut. Mein SQM‑L zeig­te in Rich­tung des Stern­bilds Klei­ner Bär einen Wert von 21.50 mag/arcsec² an. Auch war die Win­ter­milch­stra­ße, mit schwä­che­ren Aus­läu­fern, sehr gut zu erken­nen. Nur das See­ing war sehr schlecht, was sich auch den Fotos in Form von rela­tiv gro­ßen Ster­nen­schei­ben bemerk­bar mach­te. Nach­dem ich die ers­te Foto­se­rie im Kas­ten war, schwenk­te ich bei­de Kame­ras in Rich­tung des Stern­bild Ein­horn und nahm die Regi­on um den Weih­nachts­baum­stern­hau­fen aufs Korn. In der Zwi­schen­zeit sank die Außen­tem­pe­ra­tur auf ‑7°C und eine dicke Reif­schicht leg­te sich über den Tele­skoptu­bus ab. Mit Tau hat­te ich aber in jener Nacht glück­li­cher­wei­se kei­ner­lei Pro­ble­me. Gegen Mit­ter­nacht been­de­tet ich die Beob­ach­tung. Der Abbau der Foto- und Beob­ach­tungs­aus­rüs­tung, nahm dann aber­mals knapp eine Stun­de in Anspruch. Wäh­rend­des­sen konn­te ich dann halb aus dem Augen­win­kel her­aus noch einen hel­len Boli­den beob­ach­ten der Senk­recht zum Nord­ho­ri­zont viel. Die­ser erreich­te unge­fähr die Hel­lig­keit der Venus.

Shar­pless 273 im Ein­horn mit dem Weih­nachts­baum­stern­hau­fen – Canon EOS 1000Da, Canon EF 200 mm f/2.8L, F/4, ISO-1600, 41x2.5 Min

P.S. Nach­fol­gend lis­te ich die­je­ni­gen Objek­te, die ich in die­ser Nacht mit dem 8 Zoll Dob­son beob­ach­tet habe. Bei eini­gen Objek­ten hab eich eine Kurz­be­schrei­bung mit angefügt:

Mes­sier 42/43 (Ori­on­ne­bel), NGC 2360 (rei­cher und rela­tiv gro­ßer Stern­hau­fen mit nahe­zu gleich hel­len Ster­nen, drei­ecks­för­mig); Mes­sier 41; NGC 637 (klei­ner, t‑förmiger Stern­hau­fen neben 2 etwa gleich hel­len Ster­nen); NGC 559 (klei­ner Stern­hau­fen mit weni­gen hel­len bzw. sehr schwa­chen Ster­nen, nahe­zu unauf­ge­löst); NGC 663 (schö­ner gro­ßer und rei­cher Stern­hau­fen mit vie­len hel­len Ster­nen, neb­li­ger Hin­ter­grund wird durch dunk­le Bereich unter­bro­chen); NGC 654 (hel­ler und klei­ner Stern­hau­fen mit zwei deut­lich hel­le­ren Ster­nen am obe­ren Rand, dfreicks­för­mig, schwa­ches Dop­pel­bar am unte­ren Rand des Hau­fens); Mes­sier 103 (hel­ler dreicks­för­mi­ger Stern­hau­fen mit hel­len Ster­nen in Form einer „Mein­zel­männ­chen-Müt­ze“); NGC 3115 (spin­del­för­mi­ge Gala­xie mit hel­len Zen­trum, bei hoher Ver­grö­ße­rung Außen­be­rei­che aus­lau­fend); Mes­sier 51; NGC 884/869

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeige diese Bilder u.a. auf Flickr.

Ein Kommentar:

  1. Top 😉
    schö­ner Bericht Andre­as, freue mich schon auf das nächs­te Treffen.
    Cs Uwe

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