Webb blickt tief in die Sternenfabrik von Messier 82

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Die 12 Mil­lio­nen Licht­jah­re ent­fern­te Spi­ral­ga­la­xie Mes­sier 82 (M82), die sich in einer Pha­se rascher Stern­ent­ste­hung befin­det und von der Sei­te betrach­tet wird, ist ein wis­sen­schaft­lich ein­zig­ar­ti­ges Schau­spiel. Und nun hat das James-Webb-Welt­raum­te­le­skop der NASA/ESA/CSA bis­her unbe­kann­te Details enthüllt.

Die inten­si­ve Stern­ent­ste­hung in M82, die ver­mut­lich auf eine Gala­xien­ver­schmel­zung zurück­zu­füh­ren ist, wird astro­no­misch gese­hen ein kurz­le­bi­ges Ereig­nis sein, das schät­zungs­wei­se nur eini­ge hun­dert Mil­lio­nen Jah­re andau­ern wird. Die­se vor­über­ge­hen­de Pha­se extre­mer Stern­ent­ste­hung im Ver­hält­nis zur Mas­se der Gala­xie sowie ihre Posi­ti­on im loka­len Uni­ver­sum gehö­ren zu den Fak­to­ren, die M82, auch bekannt als Zigar­ren­ga­la­xie, zu einem ein­zig­ar­ti­gen For­schungs­ge­biet machen.

M82 JWST
Das James-Webb-Welt­raum­te­le­skop hat kürz­lich die Stern­ent­ste­hungs­ga­la­xie Mes­sier 82 (M82), auch bekannt als Zigar­ren­ga­la­xie, von der Sei­te beob­ach­tet. Die Nahin­fra­rot­auf­nah­me des Tele­skops ist eine Moment­auf­nah­me und zeigt eine Sze­ne­rie, die sich über meh­re­re hun­dert Mil­lio­nen Jah­re ent­wi­ckelt hat. Im Nahin­fra­rot­licht kön­nen Astro­no­men erst­mals die aus­ge­dehn­te Schei­ben­struk­tur der Gala­xie und Mil­lio­nen ein­zel­ner Ster­ne (etwa 16,5 Mil­lio­nen) erken­nen. – Cre­dit: NASA, ESA, CSA, A. Smer­ci­na (STScI), T. Wil­liams (Uni­ver­si­ty of Man­ches­ter). Image pro­ces­sing: A. Pagan (STScI)

Ein Team von Astro­no­men hat kürz­lich eine Bild­ver­mes­sung mit Webb abge­schlos­sen. Die­ses Pro­gramm umfass­te ins­ge­samt 65 Stun­den Beob­ach­tungs­zeit mit dem NIR­Cam-Instru­ment von Webb und ent­hüll­te bis­her unbe­kann­te Details der Star­burst-Gala­xie, dar­un­ter ihre aus­ge­dehn­te Schei­ben­struk­tur und Mil­lio­nen ein­zel­ner Ster­ne. Die hoch­auf­lö­sen­den Auf­nah­men von Webb, ins­be­son­de­re von der Haupt­ebe­ne der Schei­be, haben den Astro­no­men wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen gelie­fert, um die Ent­ste­hungs­ge­schich­te von M82 auf­zu­de­cken. Dar­über hin­aus wer­den die Webb-Daten den Wis­sen­schaft­lern hel­fen, die aktu­el­len Pro­zes­se inner­halb der Star­burst-Gala­xie zu verstehen.

Vor Webb hat­ten bereits vie­le Obser­va­to­ri­en die Star­burst-Gala­xie beob­ach­tet, dar­un­ter das Hub­ble-Welt­raum­te­le­skop der NASA/ESA. Aller­dings schränk­te die schie­re Men­ge an Staub in die­ser Gala­xie die Men­ge an Infor­ma­tio­nen ein, die Astro­no­men mit hoher Auf­lö­sung über M82 gewin­nen konn­ten. Zwar hat Webb die­se Gala­xie bereits zuvor beob­ach­tet, doch die Dau­er der neu­en Bild­ver­mes­sung in Ver­bin­dung mit der Infra­rotem­pfind­lich­keit des Tele­skops war eine opti­ma­le Kom­bi­na­ti­on, die es ihm ermög­lich­te, den dich­ten Staub zu durchdringen.

Die Nahin­fra­rot­auf­nah­me des Tele­skops ist eine Moment­auf­nah­me einer Sze­ne, die sich über meh­re­re hun­dert Mil­lio­nen Jah­re ent­wi­ckelt hat. Das Bild des Webb-Tele­skops zeigt etwa 16,5 Mil­lio­nen ein­zel­ne Ster­ne, die über die gesam­te Gala­xie ver­teilt sind. Das Ster­nen­licht die­ser Ster­ne erscheint als leuch­tend blaue Körn­chen. Dies ist nur ein klei­ner Teil der Gesamt­zahl der Ster­ne, die Astro­no­men in einer Gala­xie wie M82 ver­mu­ten; die meis­ten sind zu licht­schwach, um sicht­bar zu sein.

M82 Vergleich (HST/JWST)
Die­ser Gegen­über­ver­gleich zeigt den­sel­ben Bereich von M82, wie er vom Hub­ble-Tele­skop (links) und vom Webb-Tele­skop (rechts) auf­ge­nom­men wur­de. Die Sicht des Hub­ble-Tele­skops im sicht­ba­ren Licht ist auf­grund der gro­ßen Staub­men­ge in M82 ein­ge­schränkt, die die Details der Gala­xie ver­deckt. Das hel­le, bläu­li­che Licht, das vom Zen­trum aus­geht, ist auf Stern­ent­ste­hung zurück­zu­füh­ren. Ein auf­fäl­li­ger, dich­ter Staub­strei­fen, der in der Mit­te schwarz und an den Rän­dern rot ist, erstreckt sich dia­go­nal über das Bild. Dün­ne­re Strän­ge und Klum­pen aus röt­li­chem Staub bede­cken den Groß­teil des Bild­aus­schnitts. – Cre­dit: NASA, ESA, CSA, A. Smer­ci­na (STScI), T. Wil­liams (Uni­ver­si­ty of Man­ches­ter). Image pro­ces­sing: A. Pagan (STScI)

Im Inne­ren deu­ten die zuneh­men­de Hel­lig­keit und die asym­me­tri­sche Form der galak­ti­schen Schei­be auf die ein­zig­ar­ti­ge Struk­tur die­ser Spi­ral­ga­la­xie hin. Die unter­schied­li­chen Radi­en der bei­den Sei­ten deu­ten dar­auf hin, dass M82 eine ver­zerr­te Form auf­weist, was bei inten­si­ven Gala­xien­ver­schmel­zun­gen vor­kom­men kann.

Auf­grund der extre­men Stern­ent­ste­hung in der Gala­xie, die zehn­mal schnel­ler abläuft als in der Milch­stra­ße, wird die Stern­ent­ste­hung irgend­wann unter­bro­chen. Die Stern­ent­ste­hungs­wel­le in M82 führt dazu, dass bipo­la­re Mate­ri­al­strö­me ober- und unter­halb der Schei­be aus­ge­sto­ßen wer­den. Obwohl die Regi­on tur­bu­lent erscheint, wei­sen die sand­uhr­för­mi­gen Aus­flüs­se eine geschich­te­te Struk­tur auf. Die gel­ben Mate­ri­al­fä­den in der Nähe der Gala­xien­schei­be bestehen aus ioni­sier­tem Gas, wäh­rend das wei­ter ent­fern­te oran­ge Mate­ri­al klei­ne Staub­kör­ner dar­stellt. Die­se Kör­ner wer­den poly­zy­kli­sche aro­ma­ti­sche Koh­len­was­ser­stof­fe genannt und sind hilf­reich, um Mate­ri­al im inter­stel­la­ren Medi­um, dem Raum zwi­schen den Ster­nen der Gala­xie, zu identifizieren.

Die im Rah­men die­ser Webb-Stu­die gesam­mel­ten Infor­ma­tio­nen sind nur ein Daten­satz, den die Wis­sen­schaft­ler ana­ly­sie­ren wer­den, um die Ent­ste­hungs­ge­schich­te die­ser Star­burst-Gala­xie zu rekonstruieren.

Hintergrundinformationen

Webb ist das größ­te und leis­tungs­stärks­te Tele­skop, das jemals ins All gebracht wur­de. Im Rah­men einer inter­na­tio­na­len Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung stell­te die ESA den Start­dienst für das Tele­skop unter Ver­wen­dung der Trä­ger­ra­ke­te Aria­ne 5 bereit. In Zusam­men­ar­beit mit Part­nern war die ESA für die Ent­wick­lung und Qua­li­fi­zie­rung der Aria­ne-5-Anpas­sun­gen für die Webb-Mis­si­on sowie für die Beschaf­fung der Start­dienst­leis­tung durch Aria­nespace ver­ant­wort­lich. Die ESA stell­te außer­dem den Haupt­spek­tro­gra­fen NIR­Spec sowie 50 % des Mit­tel­in­fra­rot-Instru­ments MIRI bereit, das von einem Kon­sor­ti­um staat­lich finan­zier­ter euro­päi­scher Insti­tu­te (dem MIRI Euro­pean Con­sor­ti­um) in Zusam­men­ar­beit mit dem JPL und der Uni­ver­si­ty of Ari­zo­na ent­wi­ckelt und gebaut wurde.

Webb ist eine inter­na­tio­na­le Part­ner­schaft zwi­schen der NASA, der ESA und der Cana­di­an Space Agen­cy (CSA).

Bild­nach­weis: NASA, ESA, CSA, A. Smer­ci­na (STScI), T. Wil­liams (Uni­ver­si­tät Man­ches­ter). Bild­be­ar­bei­tung: A. Pagan (STScI).

Links

Link zur ESA-Pres­se­mit­tei­lung weic2612

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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