Objekte des Monats: Der offene Sternhaufen Messier 21

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Der offe­ne Stern­hau­fen Mes­sier 21 (NGC 6531), im süd­li­chen Stern­bild Schüt­ze (Sagit­ta­ri­us), wur­de am 5. Juni 1764 von dem fran­zö­si­schen Astro­no­men Charles Mes­sier bei sei­ner Suche nach Kome­ten zusam­men mit dem Tri­fid­ne­bel (Mes­sier 20) ent­deckt und kata­lo­gi­siert. Mes­sier beschrieb ihn schlicht als „Stern­hau­fen in der Nähe des vor­her­ge­hen­den M 20”. Er gab die Posi­ti­on des Stern­hau­fens mit 11 Sagit­ta­rii an, obwohl sich die­ser Stern in Wahr­heit 2° wei­ter süd­öst­lich von M 21 befin­det. Außer­dem glaub­te er, Anzei­chen von Nebel im Stern­hau­fen zu erken­nen. Der deutsch-bri­ti­sche Astro­nom Fried­rich Wil­helm Her­schel beob­ach­te­te den Stern­hau­fen am 26. Mai 1786. Sein Sohn John Her­schel trug ihn unter der Bezeich­nung GC 4367 in sei­nen Kata­log ein. Weni­ger bekannt, vor allem außer­halb des angel­säch­si­schen Sprach­raums, ist die Bezeich­nung von Mes­sier 21 zusam­men mit Mes­sier 20: „Webbs Kreuz” (Webb’s Cross).

Ein junger Sternhaufen in prominenter Umgebung

Mes­sier 21 ist eines der vie­len inter­es­san­ten Deep-Sky-Objek­te im Stern­bild Schüt­ze. Sie alle lie­gen in der galak­ti­schen Ebe­ne, in der Stern­hau­fen, Nebel, Stern­ent­ste­hungs­ge­bie­te und ande­re Mes­sier-Objek­te am häu­figs­ten vor­kom­men. M 21 ist ein jun­ger, kom­pak­ter offe­ner Stern­hau­fen mit einem schein­ba­ren Durch­mes­ser von 13 Bogen­mi­nu­ten – halb so groß wie der Voll­mond – und einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von 5,9 mag. Er gehört zur Trump­ler-Klas­se I3r. Das bedeu­tet, dass es sich um einen getrenn­ten Stern­hau­fen mit star­ker zen­tra­ler Kon­zen­tra­ti­on han­delt, der sowohl hel­le als auch licht­schwa­che Ster­ne ent­hält und von sei­ner Mit­glie­der­an­zahl mehr als 100 Ster­ne umfasst. Er kann unter sehr guten Bedin­gun­gen sogar mit dem blo­ßen Auge gese­hen wer­den. In sei­ner unmit­tel­ba­ren Nähe befin­den sich der Lagu­n­en­ne­bel (Mes­sier 8) und der Tri­fid­ne­bel (Mes­sier 20).

Lagunen- & Trifidnebel
Der Lagu­nen- und der Tri­fid­ne­bel im Stern­bild des Schüt­zen © Andre­as Schnabel

Auf lang­be­lich­te­ten Auf­nah­men der Regi­on wer­den die­se Objek­te oft zusam­men mit dem Stern­hau­fen abge­bil­det. Aus die­sem Grund wird M 21 von visu­el­len Beob­ach­tern oft über­se­hen, obwohl er sich bereits mit einem klei­nen Fern­glas auf­fin­den lässt. Obwohl sich der Tri­fid­ne­bel nur ¾ Grad nord­öst­lich von M 21 befin­det, besteht kei­ne ech­te phy­si­ka­li­sche Ver­bin­dung zwi­schen bei­den Objek­ten. M 21 steht je nach Quel­le zwi­schen 2.200 und 4.250 Licht­jah­ren von der Erde ent­fernt und somit wei­ter im Vor­der­grund. Neue­re Mes­sun­gen des Astro­me­trie-Satel­li­ten Gaia ver­or­ten den Stern­hau­fen in einer Ent­fer­nung von 3.930 Licht­jah­ren. Sein Durch­mes­ser beträgt gut 17 Licht­jah­re. Sein Licht wird durch die inter­stel­la­re Absorp­ti­on um 0,87 Magni­tu­den abge­schwächt. Mes­sier 21 ist zusam­men mit dem Lagu­nen- und dem Tri­fid­ne­bel ein Teil der Sagit­ta­ri­us OB1-Asso­zia­ti­on im Sagit­ta­ri­us-Cari­na-Spi­ral­arm unse­rer Milch­stra­ße. Dabei han­delt es sich um eine Grup­pe mas­se­rei­cher Ster­ne der Spek­tral­klas­sen O und B mit einer gemein­sa­men Bewe­gung, einem gemein­sa­men Alter und einem gemein­sa­men Ursprung.

Mit einem Alter von 6,6 Mil­lio­nen Jah­ren ist der Stern­hau­fen deut­lich älter als der Tri­fid­ne­bel, zählt aber zu den jüngs­ten Stern­hau­fen in unse­rer Milch­stra­ße. Er ist gera­de ein­mal 10 % so alt wie die Ple­ja­den (Mes­sier 45), der Pro­to­typ eines jun­gen offe­nen Stern­hau­fens, und nur 0,1 % so alt wie unse­re Son­ne. Er ent­hält eini­ge hei­ße, mas­se­rei­che blaue Rie­sen­ster­ne vom Spek­tral­typ B0. Die­se jun­gen, hei­ßen Ster­ne wer­den sich schließ­lich zu Roten Rie­sen und Super­no­vae ent­wi­ckeln und das umge­ben­de inter­stel­la­re Medi­um mit schwe­ren Ele­men­ten anrei­chern. Die Ster­ne im Hau­fen wei­sen kei­ne signi­fi­kan­te Alters­streu­ung auf. Dies deu­tet dar­auf hin, dass die Stern­ent­ste­hung gleich­zei­tig aus­ge­löst wur­de. Außer­dem ent­hält er 40 bis 60 Ster­ne gerin­ge­rer Mas­se. Vie­le die­ser Ster­ne haben noch nicht ein­mal die Haupt­rei­he im Hertzsprung-Rus­sell-Dia­gramm erreicht und befin­den sich noch in der Kontraktionsphase.

Messier 21
Mes­sier 21 im Schüt­zen – Auf­nah­me von Micha­el Brei­te, Ste­fan Heutz & Wolf­gang Ries, Quel­le: CCD-Gui­de, Astro­no­mi­scher Arbeits­kreis Salzkammergut

In der astro­no­mi­schen Lite­ra­tur wird die Gesamt­zahl sei­ner Ster­ne mit 57 ange­ge­ben. Etwa 35 Ster­ne sind zwi­schen 8 und 12 Grö­ßen­klas­sen hell. Vie­le die­ser Ster­ne sind bereits mit einem klei­nen Tele­skop zu erken­nen. Der hells­te Stern ist HD 164863 der Spek­tral­klas­se B0 mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von 7,3 mag. Ins­ge­samt ent­hält er 105 nach­ge­wie­se­ne Mit­glie­der bis zu einer Hel­lig­keit von 15,5 mag. Acht der zehn hells­ten Ster­ne die­ses Stern­hau­fens sind spek­tro­sko­pi­sche Dop­pel­ster­ne mit Umlauf­zei­ten von weni­ger als sechs Tagen. Die licht­schwä­che­ren Mit­glieds­ster­ne kon­zen­trie­ren sich eher an den Rän­dern, wäh­rend sich die hel­le­ren Ster­ne des Hau­fens über­wie­gend im Zen­tral­be­reich zu fin­den sind. Die durch­schnitt­li­che Ster­nen­dich­te in sei­nem Zen­trum beträgt etwa neun Ster­ne pro Kubik­par­sec. Die Gesamt­mas­se des Stern­hau­fens wird auf 783,4 Son­nen­mas­sen bei einer Gesamt­leucht­kraft von rund 20.000 Son­nen geschätzt. 

Mes­sier 21 ist eines der weni­gen Objek­te im Mes­sier-Kata­log, das noch nicht vom Hub­ble-Welt­raum­te­le­skop foto­gra­fiert wur­de. Fer­ner gehört er zu den etwa 1.500 bekann­ten offe­nen Stern­hau­fen in unse­rer Gala­xie, die noch nicht sehr gut erforscht sind.

Beobachtung

Der Stern­hau­fen gelangt in Mit­tel­eu­ro­pa nicht sehr hoch über den Süd­ho­ri­zont. Sein Licht muss die dich­te­ren Atmo­sphä­ren­schich­ten in Hori­zont­nä­he durch­que­ren. Von Nami­bia aus gese­hen, steht er dage­gen im Zenit. Sei­ne Ster­ne ver­schmel­zen für das blo­ße Auge mit denen des in den Tri­fid­ne­bel ein­ge­bet­te­ten Stern­hau­fens zu „Webb’s Kreuz“, einem hüb­schen Ster­nen­feld mit etwa einem Dut­zend Ster­nen der 6. und 7. Grö­ße. Es erscheint wie ein Nebel und kann im Fern­glas auf­ge­löst wer­den. Mit einem 10×50 Fern­glas erscheint M 21 wie ein dich­ter Kno­ten in einem rei­chen Ster­nen­feld vor dem duns­ti­gen Schlei­er nicht auf­ge­lös­ter Milch­stra­ßen­ster­ne. Beim indi­rek­ten Sehen macht sich bereits ein Hauch von Ster­nen­licht bemerk­bar. In einem 16×70 Fuji­non-Feld­ste­cher sind bereits ein Dut­zend Mit­glieds­ster­ne vor einem nebu­lö­sen Hin­ter­grund aufgelöst.

Sagittarius
Das Stern­bild Schüt­ze mit dem Zen­tral­be­reich unse­rer Milch­stra­ße © Andre­as Schnabel

Mit einem klei­nen Refrak­tor mit 3 bis 4‑Zoll Öff­nung ist bei einer Ver­grö­ße­rung von 30 bis 40-fach ein kom­pak­ter Stern­hau­fen mit rund zwei Dut­zend zar­ten, weiß­blau­en Ster­nen der 7. bis 9. Grö­ßen­klas­se zu erken­nen. Des­sen Mit­glie­der kon­zen­trie­ren sich rela­tiv stark zur Mit­te hin. Der Tri­fid­ne­bel steht bei nied­ri­gen Ver­grö­ße­run­gen eben­falls im sel­ben Gesichts­feld. Im Zen­tral­be­reich domi­niert eine Drei­er­grup­pe von hel­len Ster­nen den Hau­fen. Von dort lau­fen Ket­ten schwä­che­rer Ster­ne nach außen hin. Der hells­te Stern des Hau­fens ist der hüb­sche Dop­pel­stern S 698 mit einer 7,2 und einer 8,5 mag hel­len Kom­po­nen­te in einem Abstand von 30 Bogen­se­kun­den. Tele­sko­pe mit 6 bis 8‑Zoll Öff­nung und mitt­le­ren Ver­grö­ße­run­gen zei­gen den Stern­hau­fen voll­stän­dig auf­ge­löst. Mes­sier 21 füllt nun das gesam­te Sicht­feld aus. Es sind rund 50 bis 60 Mit­glieds­ster­ne bis zur 12. Grö­ßen­klas­se erkenn­bar. Die höchs­te Kon­zen­tra­ti­on befin­det sich direkt um den hel­len Stern her­um. Nörd­lich davon befin­det sich ein klei­ner Kreis von Ster­nen. Die hel­le­ren Ster­ne des Stern­hau­fens bil­den eine Art Ring bzw. Spi­ral­mus­ter. Süd­west­lich des Hau­fen­zen­trums kön­nen zwei Ket­ten aus mit­tel­hel­len Ster­nen rund ein hal­bes Grad in Rich­tung des Tri­fid­ne­bels ver­folgt werden.

Aufsuchkarte Messier 21
Auf­such­kar­te für Mes­sier 21 – erstellt mit SkytechX

Mes­sier 21 befin­det sich im nord­öst­li­chen Teil des Stern­bilds Sagit­ta­ri­us. Er ist am bes­ten in den Som­mer­mo­na­ten zu beob­ach­ten, wenn das Stern­bild bei uns nied­rig im Süden steht. Der Stern­hau­fen ist rela­tiv ein­fach zu fin­den, wenn man vom Tee­kan­nen-Aste­ris­mus des Schüt­zen aus­geht. Die drei obers­ten Ster­ne der Tee­kan­ne sind Kaus Borea­lis (Lamb­da Sgr, 2,8 mag), Kaus Media (Del­ta Sgr, 2,7 mag) und The­ta Sagit­ta­rii (3,2 mag). Mes­sier 21 befin­det sich auf der ein­ein­halb Mal ver­län­ger­ten Ver­bin­dungs­li­nie zwi­schen The­ta Sagit­ta­rii und Kaus Borea­lis. Er ist bereits in einem Sucher­te­le­skop und nur zwei­ein­halb Grad nord­west­lich des Lagu­n­en­ne­bels zu erkennen.

Auf­such­kar­te Mes­sier 21 (73,3 KiB, 114 Downloads)

Steckbrief für Messier 21

Daten und Fak­ten für den offe­nen Stern­hau­fen Mes­sier 21 im Schüt­zen (Sagit­ta­ri­us)
Objekt­na­meMes­sier 21
Kata­log­be­zeich­nungNGC 6531, OCL 26, Col­lin­der 363, Melot­te 188, Raab 128, ESO 521-SC19
Typoffe­ner Stern­hau­fen, I 3 m 
Stern­bildSchüt­zen (Sagit­ta­ri­us)
Rekt­aszen­si­on (J2000.0)18h 04m 13,3s
Dekli­na­ti­on (J2000.0)-22° 29′ 24″
V Hel­lig­keit5,9 mag
Flä­chen­hel­lig­keit11,0 mag
Win­kel­aus­deh­nung16,0′
Anzahl der Sterne70
Hells­ter Stern7,3 mag
Durch­mes­ser17 Licht­jah­re
Ent­fer­nung3.930 Licht­jah­re
Beschrei­bungCl,pRi,lC,st9…12; In Sgr OB1;36 mem­bers to 12th mag
Ent­de­ckerCharles Mes­sier, 1764
Stern­at­lan­tenCam­bridge Star Atlas: Chart 12 & 18
Inter­stel­larum Deep Sky Atlas: Chart 66, 67, 78, 79, D6
Mill­en­ni­um Star Atlas: Charts 1391–1392 (Vol III)
Pocket Sky Atlas: Chart 67
Sky Atlas 2000: Chart 22
Urano­me­tria 2nd Ed.: Chart 145

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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