Nachthimmel in Gefahr: Satellitenflut bedroht die Astronomie

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Eine neue Stu­die der Euro­päi­schen Süd­stern­war­te (ESO) kommt zu dem Ergeb­nis, dass aktu­el­le Plä­ne zur Plat­zie­rung von über 1,7 Mil­lio­nen Satel­li­ten im Erd­or­bit – dar­un­ter extrem licht­star­ke Objek­te – „ver­hee­ren­de Fol­gen für die Astro­no­mie“ hät­ten. Um die Beob­ach­tung des Nacht­him­mels mit moder­nen Tele­sko­pen dau­er­haft zu sichern, soll­te die Anzahl der Satel­li­ten in der Erd­um­lauf­bahn laut der Stu­die 100.000 schwach leuch­ten­de Objek­te, die mit blo­ßem Auge nicht zu erken­nen sind, nicht über­schrei­ten. Die Unter­su­chung bezif­fert erst­mals das genaue Aus­maß, in dem gro­ße und hel­le Satel­li­ten­kon­stel­la­tio­nen astro­no­mi­sche Beob­ach­tun­gen durch eine Auf­hel­lung des Nacht­him­mels beein­träch­ti­gen. Die­sel­ben Satel­li­ten­netz­wer­ke haben bereits zuvor Besorg­nis hin­sicht­lich ihrer Aus­wir­kun­gen auf die Gesund­heit und die Umwelt hervorgerufen.

Satellitenspuren
Die­se Auf­nah­me zeigt Satel­li­ten, die inner­halb eines Zeit­raums von nur einer Stun­de den Nacht­him­mel über der nörd­li­chen Ata­ca­ma-Wüs­te in Chi­le kreu­zen. Es han­delt sich um eine Über­la­ge­rung (Stack) eines Zeit­raf­fer-Vide­os, das am 15. Okto­ber 2025 etwa zwei Stun­den nach Son­nen­un­ter­gang auf­ge­nom­men wur­de. Eini­ge weni­ge Spu­ren stam­men von Flug­zeu­gen und sind leicht an ihren far­big blin­ken­den Lich­tern zu erken­nen; der Groß­teil der Lini­en geht jedoch auf Satel­li­ten zurück. – Cre­dit: F. Kam­phues, ESO/M. Kornmesser

Seit 2019 ist die Zahl der Satel­li­ten in der Erd­um­lauf­bahn rasant auf heu­te über 14.000 ange­stie­gen [1] – maß­geb­lich vor­an­ge­trie­ben durch die Star­link-Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­sa­tel­li­ten von SpaceX. Gleich­zei­tig haben die geplan­ten Satel­li­ten­pro­jek­te sowohl quan­ti­ta­tiv als auch hin­sicht­lich ihrer poten­zi­el­len Beein­träch­ti­gun­gen dras­tisch zuge­nom­men. „Bis­lang konn­ten wir die Situa­ti­on bewäl­ti­gen, aber es wird immer kri­ti­scher“, betont Oli­vi­er Hainaut, der an der Ent­wick­lung von Emp­feh­lun­gen zur Ein­däm­mung der Aus­wir­kun­gen von Satel­li­ten­netz­wer­ken auf die Astro­no­mie betei­ligt ist. Zwar haben Unter­neh­men wie SpaceX Maß­nah­men ergrif­fen, um die Hel­lig­keit ihrer Satel­li­ten zu redu­zie­ren, doch mit den aktu­el­len Anträ­gen ist laut Hainaut „die Gren­ze des­sen über­schrit­ten“, was die Astro­no­mie ver­kraf­ten kann. Hainaut, seit über 30 Jah­ren Astro­nom bei der ESO, ist der Autor der von Exper­ten begut­ach­te­ten (peer-review­ed) Stu­die über die Aus­wir­kun­gen von Satel­li­ten­kon­stel­la­tio­nen, die zur Ver­öf­fent­li­chung in der Fach­zeit­schrift Astro­no­my & Astro­phy­sics ange­nom­men wurde.

SpaceX plant, eine Mil­li­on wei­te­re Satel­li­ten für welt­raum­ba­sier­te Rechen­zen­tren in den Orbit zu brin­gen, was das Erschei­nungs­bild des Him­mels grund­le­gend ver­än­dern wür­de. Die neue Stu­die zeigt, dass über einen gro­ßen Teil jeder Nacht hin­weg Hun­der­te und zu bestimm­ten Zei­ten sogar meh­re­re Tau­send Satel­li­ten sicht­bar wären – dies ent­spricht der Anzahl der Ster­ne, die unter guten Bedin­gun­gen mit blo­ßem Auge zu erken­nen sind. Wei­te­re geplan­te Satel­li­ten­netz­wer­ke wie Cin­na­mon von E‑Space sowie die chi­ne­si­schen Sys­te­me CTC‑1 und CTC‑2 wür­den die Erd­um­lauf­bahn um Hun­dert­tau­sen­de zusätz­li­che Satel­li­ten ergän­zen und das Pro­blem wei­ter verschärfen.

Das US-Start-up Reflect Orbi­tal beab­sich­tigt zudem den Start eines Netz­werks aus sehr gro­ßen, spie­gel­ar­ti­gen Satel­li­ten. Die­se sol­len nachts Son­nen­licht reflek­tie­ren und Licht­ke­gel erzeu­gen, die auf der Erd­ober­flä­che einen Durch­mes­ser von min­des­tens fünf Kilo­me­tern auf­wei­sen. Das Unter­neh­men plant, noch in die­sem Jahr mit einem Pro­to­typ im Orbit zu begin­nen und die Flot­te bis 2035 auf 50.000 Satel­li­ten aus­zu­bau­en. Die­se Objek­te wären die hells­ten, die sich je in einer Umlauf­bahn befan­den – mit gra­vie­ren­den Fol­gen für den Schutz des dunk­len Nacht­him­mels. Hain­auts Berech­nun­gen zei­gen, dass die voll­stän­di­ge Kon­stel­la­ti­on den Nacht­him­mel mit Hun­der­ten extrem hel­len, sicht­ba­ren Satel­li­ten fül­len wür­de. Direkt aus dem Inne­ren eines sol­chen Licht­ke­gels betrach­tet, wür­de der Son­nen­licht reflek­tie­ren­de Satel­lit vier­mal hel­ler erschei­nen als der Voll­mond. Selbst wenn kein Satel­lit sei­nen Strahl direkt auf einen Beob­ach­ter rich­tet, wäre jeder Ein­zel­ne so hell wie der Pla­net Venus, der „Mor­gen­stern“. Aus einer von Licht­ver­schmut­zung betrof­fe­nen Stadt wie Mün­chen wären die­se Hun­der­te von Satel­li­ten die ein­zi­gen „Ster­ne“, die am Nacht­him­mel über­haupt noch zu sehen wären.

Die­se Vor­ha­ben wür­den in Kom­bi­na­ti­on mit wei­te­ren in der Stu­die unter­such­ten Pro­jek­ten den Nacht­him­mel dras­tisch auf­hel­len. Dies behin­dert die Fähig­keit der Mensch­heit, licht­schwa­che kos­mi­sche Objek­te zu beob­ach­ten – dar­un­ter weit ent­fern­te Gala­xien, erd­ähn­li­che Pla­ne­ten um ande­re Ster­ne und sogar Aste­ro­iden, die der Erde poten­zi­ell gefähr­lich wer­den könnten.

Helle Spuren und aufgehellter Himmel

Hainaut erklärt: „Von der Son­ne beleuch­te­te Satel­li­ten sind um ein Viel­fa­ches hel­ler als fer­ne Gala­xien. Wenn ein Satel­lit unser Beob­ach­tungs­feld kreuzt, hin­ter­lässt er einen hel­len Strei­fen auf der Auf­nah­me und über­deckt alles, was sich dahin­ter befin­det.

Um das Aus­maß die­ses und ande­rer Effek­te von Satel­li­ten­netz­wer­ken auf astro­no­mi­sche Beob­ach­tun­gen zu berech­nen, simu­lier­te Hainaut die Posi­tio­nen, Bewe­gun­gen und Hel­lig­kei­ten aller gegen­wär­ti­gen und geplan­ten Satellitenkonstellationen.

Für das geplan­te Satel­li­ten­netz­werk von SpaceX stell­te er fest, dass auf jedem Bild, das zwei Stun­den nach Ein­bruch der Nacht mit dem Very Lar­ge Telescope (VLT) der ESO am Par­anal-Obser­va­to­ri­um in Chi­le auf­ge­nom­men wird, Dut­zen­de von Satel­li­ten­spu­ren auf­tau­chen wür­den. Dies ent­spricht einem Ver­lust des nutz­ba­ren Sicht­fel­des von bis zu 28 % [2]. Die­se Berech­nung setzt vor­aus, dass die Satel­li­ten so licht­schwach sind, dass sie unter guten Bedin­gun­gen nicht mit blo­ßem Auge zu sehen sind. Soll­ten sie nur gering­fü­gig hel­ler sein, wären eini­ge Instru­men­te noch weit­aus stär­ker betrof­fen: Bei einer Kame­ra wie der des Vera C. Rubin Obser­va­to­ri­ums der US-ame­ri­ka­ni­schen Natio­nal Sci­ence Foun­da­ti­on (NSF) könn­te der Groß­teil der Auf­nah­men für meh­re­re Stun­den pro Nacht unbrauch­bar wer­den [3].

Starlinks über dem VLT
Die­ses Dia­gramm zeigt die Anzahl der Satel­li­ten, die über dem Very Lar­ge Telescope (VLT) der ESO sicht­bar wären, falls SpaceX sei­ne geplan­te Kon­stel­la­ti­on von einer Mil­li­on Satel­li­ten rea­li­siert. Die Berech­nun­gen wur­den für einen Zeit­punkt etwa zwei Stun­den nach Son­nen­un­ter­gang durch­ge­führt – also inmit­ten des astro­no­misch dunk­len Teils der Nacht. Die grau­en Punk­te stel­len Satel­li­ten dar, die sich im Erd­schat­ten befin­den und daher unsicht­bar sind, wohin­ge­gen die far­bi­gen Punk­te beleuch­te­te Satel­li­ten mar­kie­ren. Die oran­ge­far­be­nen Punk­te – fast 2.000 an der Zahl – ent­spre­chen Satel­li­ten, die hel­ler als Magni­tu­de 7 sind; dies ist die Wahr­neh­mungs­gren­ze für das blo­ße Auge unter extrem dunk­len Bedin­gun­gen. Die mehr als 200 roten Punk­te zei­gen Satel­li­ten mit einer Hel­lig­keit von über Magni­tu­de 5, was den schwächs­ten Objek­ten ent­spricht, die von einem vor­städ­ti­schen Stand­ort aus noch mit blo­ßem Auge zu erken­nen sind. – Cre­dit: ESO/O. Hainaut

In Hain­auts Simu­la­tio­nen wur­de davon aus­ge­gan­gen, dass kein Satel­lit von Reflect Orbi­tal sei­nen Licht­strahl direkt auf oder in die Nähe eines Obser­va­to­ri­ums rich­tet. Den­noch könn­te bereits die Spur eines ein­zi­gen Spie­gel­sa­tel­li­ten eine Beob­ach­tung mit einer Kame­ra wie der des Rubin-Obser­va­to­ri­ums rui­nie­ren. Befän­de sich die voll­stän­di­ge Flot­te von Reflect Orbi­tal im Orbit, gin­ge jede ein­zel­ne Auf­nah­me einer sol­chen Kame­ra ver­lo­ren, sobald die Satel­li­ten von der Son­ne beleuch­tet werden.

Es sind jedoch nicht nur die sich kreu­zen­den Bah­nen der Satel­li­ten, die die astro­no­mi­sche Arbeit ein­schrän­ken; ihr Licht kann den gesam­ten Him­mel ver­un­rei­ni­gen. Satel­li­ten, die zu schwach leuch­ten, um direkt wahr­ge­nom­men zu wer­den, erzeu­gen einen Schlei­er aus „dif­fu­sem“ Licht, wäh­rend das Licht hel­le­rer Satel­li­ten beim Durch­que­ren der Atmo­sphä­re in alle Rich­tun­gen gestreut wird. Bei­de Effek­te erhö­hen die Hin­ter­grund­hel­lig­keit des Nacht­him­mels ins­ge­samt. Die­se Stu­die berück­sich­tigt erst­mals die Aus­wir­kun­gen auf die Astro­no­mie, die durch den Bei­trag von Satel­li­ten­kon­stel­la­tio­nen zur all­ge­mei­nen Hin­ter­grund­hel­lig­keit des Him­mels ent­ste­hen, und offen­bart damit das vol­le Aus­maß der satel­li­ten­be­ding­ten Lichtverschmutzung.

Beson­ders extrem leuch­ten­de Kon­stel­la­tio­nen wie die von Reflect Orbi­tal hät­ten einen erheb­li­chen Ein­fluss auf die Hin­ter­grund­hel­lig­keit des Him­mels. Bei einer Gesamt­flot­te von 50.000 Reflect-Orbi­tal-Satel­li­ten wür­de der Him­mel ins­ge­samt um das Drei- bis Vier­fa­che aufgehellt.

Begrenzung der Satellitenzahl zum Schutz des Nachthimmels

Hainaut kommt zu dem Schluss, dass die geplan­ten 1,7 Mil­lio­nen neu­en Satel­li­ten dras­ti­sche Kon­se­quen­zen für die erd­ge­bun­de­ne Astro­no­mie haben wer­den. Die­se Aus­wir­kun­gen las­sen sich nur abwen­den, indem die Gesamt­zahl der bestehen­den und zukünf­ti­gen Satel­li­ten auf 100.000 begrenzt wird. Zudem müs­sen die­se so licht­schwach sein, dass sie von einem dunk­len Stand­ort aus nicht mit blo­ßem Auge wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen. „Das ist kein star­rer Grenz­wert im Sin­ne von: 99.999 ist gut und 100.001 ist schlecht. Natür­lich wären mir 50.000 lie­ber“, sagt Hainaut. „Aber bei 100.000 bewe­gen sich die Ver­lus­te in etwa auf dem Niveau ande­rer tech­ni­scher Aus­fäl­le, wie etwa dem Ver­sa­gen von Gerä­ten.“ Er fügt jedoch hin­zu, dass die Satel­li­ten eine schein­ba­re Hel­lig­keit von schwä­cher als der Magni­tu­de 7 auf­wei­sen müs­sen [4]. Soll­ten eini­ge von ihnen hel­ler sein – also über der Wahr­neh­mungs­gren­ze des blo­ßen Auges lie­gen –, müss­te die zuläs­si­ge Gesamt­zahl deut­lich nied­ri­ger ange­setzt werden.

Lichtverschmutzung Reflect Orbital
Die­se Abbil­dung ver­an­schau­licht, wie das von den Welt­raum­spie­geln von Reflect Orbi­tal gestreu­te Son­nen­licht die Gesamt­hel­lig­keit des Him­mels über dem Very Lar­ge Telescope (VLT) der ESO erhö­hen wür­de. Das lin­ke Bild wur­de in einer mond­lo­sen Nacht am 16. Mai 2026 mit einer Ganz­him­mels­ka­me­ra (All-Sky-Kame­ra) auf­ge­nom­men. Nor­den befin­det sich oben, Wes­ten ist rechts. Die Kup­peln der vier 8‑Me­ter-Tele­sko­pe des VLT sind oben rechts zu erken­nen. Das rech­te Bild ist eine Simu­la­ti­on, die zeigt, um wie viel hel­ler der Him­mel mit der voll­stän­di­gen Kon­stel­la­ti­on von 50.000 Spie­geln von Reflect Orbi­tal wäre. Obwohl die Spie­gel nicht direkt auf das Obser­va­to­ri­um gerich­tet sind, streu­en sie den­noch Licht zur Sei­te ab, wel­ches in der Fol­ge durch die Atmo­sphä­re wei­ter abge­lenkt wird. Als Ergeb­nis wäre der Him­mel um das Drei- bis Vier­fa­che auf­ge­hellt. – Cre­dit: ESO/O. Hainaut

Sowohl SpaceX als auch Reflect Orbi­tal, die für die weit­rei­chends­ten der neu­en Anträ­ge ver­ant­wort­lich sind, haben bei der US-ame­ri­ka­ni­schen Fede­ral Com­mu­ni­ca­ti­ons Com­mis­si­on (FCC) Zulas­sungs­an­trä­ge für ihre Starts ein­ge­reicht. Die neue Stu­die dien­te der ESO in Zusam­men­ar­beit mit der bri­ti­schen Roy­al Astro­no­mic­al Socie­ty und der Inter­na­tio­na­len Astro­no­mi­schen Uni­on als Grund­la­ge für eine offi­zi­el­le Stel­lung­nah­me an die FCC zu die­sen Plänen.

Die FCC hat über 1.800 Stel­lung­nah­men zu Reflect Orbi­tal und fast 1.500 Kom­men­ta­re zum Antrag von SpaceX erhal­ten“, erklärt Bet­ty Kio­ko, Refe­ren­tin für insti­tu­tio­nel­le Ange­le­gen­hei­ten bei der ESO, die die Reak­ti­on der Orga­ni­sa­ti­on auf die Anträ­ge koor­di­niert. „Der Ball liegt nun bei der FCC, und wir war­ten ab, wel­che Ent­schei­dun­gen zu bei­den Anträ­gen getrof­fen wer­den. Für die opti­sche Astro­no­mie stellt dies eine exis­ten­zi­el­le Bedro­hung dar, und wir hof­fen, dass die Regu­lie­rungs­be­hör­den die­se Ein­schät­zung tei­len.

Die Astro­no­mie erbringt einen enor­men Wert für die Mensch­heit – in wis­sen­schaft­li­cher, tech­ni­scher, wirt­schaft­li­cher und bil­dungs­po­li­ti­scher Hin­sicht – und hilft uns, unse­ren Platz im Uni­ver­sum zu ver­ste­hen“, sagt ESO-Gene­ral­di­rek­tor Xavier Bar­cons. „Die gro­ße Anzahl geplan­ter Satel­li­ten in nied­ri­gen Erd­um­lauf­bah­nen stellt die­se Leis­tungs­fä­hig­keit infra­ge. Dies unter­streicht die Not­wen­dig­keit, künf­ti­ge Satel­li­ten­starts zu begren­zen und erfor­dert eine enge Zusam­men­ar­beit von Astro­no­men, Inge­nieu­ren, Satel­li­ten­be­trei­bern und ande­ren Akteu­ren, um stren­ge Gegen­maß­nah­men zu ergrei­fen.

Das Aus­set­zen von Tau­sen­den von Satel­li­ten hat wirt­schaft­li­che, öko­lo­gi­sche und astro­no­mi­sche Kon­se­quen­zen“, ergänzt Hainaut. Die Licht­ver­schmut­zung durch extrem hel­le Satel­li­ten­netz­wer­ke kann die Gesund­heit und das Leben auf der Erde beein­träch­ti­gen, indem sie bio­lo­gi­sche Rhyth­men und Öko­sys­te­me stört. Groß­kon­stel­la­tio­nen wir­ken sich zudem direkt auf die Luft­qua­li­tät aus – einer­seits durch die zahl­rei­chen Rake­ten­starts, die für den Auf­bau und Erhalt Tau­sen­der Satel­li­ten erfor­der­lich sind, ande­rer­seits durch die atmo­sphä­ri­sche Belas­tung, die beim Ver­glü­hen der Satel­li­ten am Ende ihrer Lebens­dau­er beim Wie­der­ein­tritt ent­steht. „Mein Auf­ga­ben­ge­biet ist die Astro­no­mie, daher quan­ti­fi­zie­re ich die Effek­te auf die Astro­no­mie“, erklärt Hainaut. „Ich hof­fe, dass Fach­leu­te ande­rer Dis­zi­pli­nen die übri­gen Aus­wir­kun­gen in ihren jewei­li­gen Fach­be­rei­chen bewer­ten.

Hainaut resü­miert: „Die nied­ri­ge Erd­um­lauf­bahn ist eine kos­mi­sche Küs­ten­li­nie, die für das moder­ne Leben von immensem Wert ist – von der glo­ba­len Ver­net­zung bis hin zu unse­rem frei­en Blick in das Uni­ver­sum. Wir müs­sen den öko­lo­gi­schen und visu­el­len Fuß­ab­druck die­ser Mega­kon­stel­la­tio­nen jedoch regu­lie­ren – von der Licht­ver­schmut­zung in der Astro­no­mie bis hin zu den atmo­sphä­ri­schen Effek­ten beim Wie­der­ein­tritt –, um sicher­zu­stel­len, dass die­se Res­sour­ce unbe­rührt und für kom­men­de Gene­ra­tio­nen zugäng­lich bleibt.

MN

Endnoten

[1] Die Gesamt­zahl der Satel­li­ten in der Umlauf­bahn erhöht sich auf 32.000, wenn inak­ti­ve Satel­li­ten und Welt­raum­schrott mit ein­ge­rech­net werden.

[2] Das für die Simu­la­ti­on her­an­ge­zo­ge­ne Instru­ment ist FORS2, das Stan­dard-Arbeits­pferd des VLT, wel­ches reprä­sen­ta­tiv für tra­di­tio­nel­le Kame­ras an Groß­te­le­sko­pen steht.

[3] Bei Kame­ras wie der des Rubin-Obser­va­to­ri­ums, die über eine hoch­dich­te, kom­ple­xe Elek­tro­nik ver­fü­gen, ver­ur­sacht eine Satel­li­ten­spur, die hell genug ist, um den Detek­tor zu sät­ti­gen, nicht nur einen brei­ten Strei­fen auf der astro­no­mi­schen Auf­nah­me. Sie erzeugt zudem eine Rei­he von Geis­ter­spu­ren (ghost trails), die die Daten­ver­lus­te ver­viel­fa­chen und poten­zi­ell das gesam­te Bild unbrauch­bar machen können.

[4] Ein Satel­lit mit einer schein­ba­ren Hel­lig­keit von schwä­cher als der Magni­tu­de 7 stellt sicher, dass der Detek­tor von Kame­ras wie der des Rubin-Obser­va­to­ri­ums nicht gesät­tigt wird. Dies bedeu­tet zugleich, dass sol­che Satel­li­ten selbst unter völ­lig unbe­rühr­tem, dunk­lem Nacht­him­mel zu schwach leuch­ten, um mit blo­ßem Auge wahr­ge­nom­men zu werden.

Hintergrundinformationen

Die­se For­schungs­er­geb­nis­se wur­den in einem Arti­kel von Oli­vi­er Hainaut (Euro­päi­sche Süd­stern­war­te, Deutsch­land) vor­ge­stellt, der in der Zeit­schrift Astro­no­my & Astro­phy­sics erschei­nen wird.

Links

Link zur Pres­se­mit­tei­lung der ESO

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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