3I/ATLAS stammt wohl aus einem uralten Sonnensystem

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Astro­nom­in­nen und Astro­no­men haben das Very Lar­ge Telescope (VLT) der Euro­päi­schen Süd­stern­war­te (ESO) genutzt, um die Zusam­men­set­zung von 3I/ATLAS, dem hells­ten jemals beob­ach­te­ten inter­stel­la­ren Objekt, im Detail zu unter­su­chen. Durch die Mes­sung spe­zi­fi­scher che­mi­scher Fin­ger­ab­drü­cke – die ers­ten Beob­ach­tun­gen die­ser Art bei einem Kome­ten, der sich außer­halb des Son­nen­sys­tems gebil­det hat – fan­den sie her­aus, dass 3I/ATLAS wahr­schein­lich aus den Außen­be­rei­chen eines alten Ster­nen­sys­tems stammt. Die Ergeb­nis­se wer­fen ein neu­es Licht auf die Ent­ste­hungs­ge­schich­te die­ses Kome­ten und deu­ten dar­auf hin, dass er mög­li­cher­wei­se viel älter ist als die Sonne.

Komet 3I/ATLAS
Die­se Auf­nah­me des inter­stel­la­ren Kome­ten 3I/ATLAS wur­de am 18. Janu­ar 2026 mit dem FOR­S2-Instru­ment am Very Lar­ge Telescope (VLT) der ESO auf­ge­nom­men. Es han­delt sich um eine Zusam­men­set­zung aus meh­re­ren Ein­zel­bil­dern, die über einen Zeit­raum von 14 Minu­ten auf­ge­nom­men wur­den. Da sich der Komet am Him­mel bewegt, erschei­nen die Ster­ne im Hin­ter­grund als Licht­spu­ren. – Cre­dit: ESO/O. Hainaut

Inter­stel­la­re Kome­ten sind eisi­ge Objek­te, die sich um einen ande­ren Stern als die Son­ne gebil­det haben und gele­gent­lich in unser Son­nen­sys­tem ein­drin­gen. „Sie sind sozu­sa­gen Fos­si­li­en eines Pla­ne­ten­ent­ste­hungs­pro­zes­ses, der sich sehr weit ent­fernt zuge­tra­gen hat, den wir aber aus viel grö­ße­rer Nähe unter­su­chen kön­nen“, sagt die Astro­no­min Cyri­el­le Opi­tom, For­sche­rin an der Uni­ver­si­tät Edin­burgh in Groß­bri­tan­ni­en. Zusam­men mit Jean Man­fro­id und Dami­en Hut­se­mé­kers von der Uni­ver­si­tät Lüt­tich in Bel­gi­en lei­te­te Opi­tom eine Stu­die zu 3I/ATLAS, die heu­te in Natu­re Astro­no­my ver­öf­fent­licht wurde.

3I/ATLAS ist nach 1I/ʻOumuamua und 2I/Borisov das drit­te inter­stel­la­re Objekt, das jemals nach­ge­wie­sen wur­de. Es wur­de ent­deckt, als es sich der Son­ne näher­te, und ver­weil­te lan­ge genug in unse­rem Son­nen­sys­tem, damit Astro­no­men es ein­ge­hend unter­su­chen konn­ten. Bei den ers­ten bei­den inter­stel­la­ren Objek­ten war es schwie­rig, ihre Zusam­men­set­zung zu bestim­men – beim ers­ten konn­ten die Astro­no­men kein Gas nach­wei­sen, und das zwei­te war zu schwach –, doch bei 3I/ATLAS war dies nicht der Fall. Dank der bei­spiel­lo­sen Hel­lig­keit des Objekts konn­ten Opi­tom, Man­fro­id, Hut­se­mé­kers und ihr Team die Iso­to­pen­ver­hält­nis­se des Kome­ten mes­sen: die rela­ti­ven Antei­le ver­schie­de­ner Erschei­nungs­for­men des­sel­ben Elements.

Mit­hil­fe des UVES-Instru­ments am VLT der ESO maß das Team die Ver­hält­nis­se von Koh­len­stoff- und Stick­stoff­iso­to­pen in Cya­nid­mo­le­kü­len, die im Gas um den Kome­ten her­um vor­han­den waren. Die­se Ver­hält­nis­se gel­ten als guter Indi­ka­tor für die Her­kunft eines Kome­ten, da sie sehr emp­find­lich auf die phy­si­ka­li­schen Bedin­gun­gen in der Ent­ste­hungs­um­ge­bung reagie­ren und sich vor­aus­sicht­lich nicht wesent­lich ändern, wäh­rend der Komet durch den Welt­raum reist.

Spektrum 3I/ATLAS
Die­ses Bild zeigt einen Aus­schnitt aus dem Spek­trum des inter­stel­la­ren Kome­ten 3I/ATLAS, das zwi­schen dem 6. und 26. Dezem­ber 2025 mit dem UVES-Instru­ment am Very Lar­ge Telescope (VLT) der ESO auf­ge­nom­men wur­de. Anhand der Iso­to­pen­ver­hält­nis­se von Koh­len­stoff und Stick­stoff konn­ten sie Rück­schlüs­se auf sei­ne Ent­ste­hung zie­hen. Die Ergeb­nis­se spre­chen dafür, dass sich der Komet am äuße­ren Rand der Mate­rie­schei­be eines Sterns gebil­det hat, der älter ist als die Son­ne. – Cre­dit: ESO/C. Opi­tom, J. Man­fro­id et al. Comet image: O. Hainaut

Im Gegen­satz zu Kome­ten aus unse­rem Son­nen­sys­tem weist die­ser inter­stel­la­re Besu­cher unge­wöhn­lich hohe Koh­len­stoff- und Stick­stoff-Iso­to­pen­ver­hält­nis­se auf“, erklärt Ara­vind Krish­n­a­ku­mar, For­scher an der Uni­ver­si­tät Lüt­tich und Mit­au­tor der neu­en Stu­die. Eine ähn­li­che Stu­die unter der Lei­tung von Mar­tin Cor­di­ner am NASA God­dard Space Flight Cen­ter (USA), die Ende letz­ten Monats in Natu­re ver­öf­fent­licht wur­de, ergab ein ver­gleich­ba­res Koh­len­stoff­iso­to­pen­ver­hält­nis sowie erhöh­te Deu­te­ri­um­wer­te, auch schwe­rer Was­ser­stoff genannt [1]. Die Stu­die stütz­te sich auf Daten des James-Webb-Welt­raum­te­le­skops, einem Gemein­schafts­pro­jekt der US-ame­ri­ka­ni­schen, euro­päi­schen und kana­di­schen Weltraumagenturen.

Ins­ge­samt deu­ten die Ergeb­nis­se von Opi­toms Team dar­auf hin, dass sich der Komet wahr­schein­lich in den äuße­ren Regio­nen um einen alten Stern mit „nied­ri­ger Metal­li­zi­tät“ gebil­det hat. Ein Stern mit nied­ri­ger Metal­li­zi­tät ist ein Stern, des­sen Zusam­men­set­zung nur weni­ge Ele­men­te ent­hält, die schwe­rer sind als Heli­um; man geht davon aus, dass er ent­stan­den ist, als das Uni­ver­sum noch viel jün­ger – und che­misch weni­ger reich­hal­tig – war als heu­te. Das Team ver­mu­tet daher, dass 3I/ATLAS um einen Stern ent­stan­den ist, der viel älter ist als die Son­ne. „3I/ATLAS bie­tet eine wirk­lich span­nen­de Gele­gen­heit, die Zusam­men­set­zung eines ande­ren Pla­ne­ten­sys­tems zu unter­su­chen, das sich lan­ge bevor unse­re Son­ne und unser Son­nen­sys­tem über­haupt exis­tier­ten, gebil­det hat“, sagt Mit­au­torin Rose­ma­ry Dor­sey, For­sche­rin an der Uni­ver­si­tät Hel­sin­ki in Finn­land. Die Ergeb­nis­se der Stu­di­en ver­schie­de­ner Teams deu­ten dar­auf hin, dass 3I/ATLAS mehr als dop­pelt so alt wie die Son­ne ist.

Da sich 3I/ATLAS von der Son­ne ent­fernt und zuneh­mend schwä­cher wird, nei­gen sich auch die Beob­ach­tun­gen am VLT ihrem Ende zu. Das künf­ti­ge Extre­me­ly Lar­ge Telescope (ELT) der ESO wird ähn­li­che Mes­sun­gen an zukünf­ti­gen inter­stel­la­ren Objek­ten ermög­li­chen, dar­un­ter auch an sol­chen, die weni­ger hell sind als 3I/ATLAS. „Das Gebiet der inter­stel­la­ren Objek­te ist noch sehr neu, und wir wis­sen nicht wirk­lich, was uns erwar­tet. Jedes Mal, wenn ein neu­es Objekt ent­deckt wird, erle­ben wir neue Über­ra­schun­gen“, fasst Opi­tom zusammen.

MN

Endnoten

[1] Ein Team unter der Lei­tung von Sala­zar-Manz­a­no und Pane­que-Car­re­ño nutz­te das Ata­ca­ma Lar­ge Millimeter/submillimeter Array (ALMA), an dem die ESO als Part­ner betei­ligt ist, um deu­te­rie­r­tes (oder halb­schwe­res) Was­ser in 3I/ATLAS zu mes­sen. Sie stell­ten zudem fest, dass die Kon­zen­tra­tio­nen die­ser Was­ser­art im Ver­gleich zu denen in Kome­ten des Son­nen­sys­tems erhöht sind.

Hintergrundinformationen

Die­se For­schungs­er­geb­nis­se wur­den in einem Arti­kel vor­ge­stellt, der in Natu­re Astro­no­my erschei­nen wird (doi:10.1038/s41550-026–02921‑7).

Links

Link zur Pres­se­mit­tei­lung der ESO

Andreas

Andreas Schnabel war bis zum Ende der Astronomie-Zeitschrift "Abenteuer Astronomie" im Jahr 2018 als Kolumnist tätig und schrieb dort über die aktuell sichtbaren Kometen. Er ist Mitglied der "Vereinigung für Sternfreunde e.V.". Neben Astronomie, betreibt der Autor des Blogs auch Fotografie und zeigt diese Bilder u.a. auf Flickr.

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